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: 2002.06.05,
konrad halver´s
peter folken story,


"lieber gott, mach, daß der scham bald stirbt!"

Teil 1

am 20. April 1931 wurde in der schwäbischen kleinstadt kornwestheim,
wo auch die guten salamander-schuhe herkommen, die ehefrau clara ziegelbauer eines lebensfrischen knaben entbunden, den man nach familientradition adolf nannte. der kleine adolf wuchs in den braven und einfachen verhältnissen ganz normal auf und hatte eine schöne, behütetete kindheit. an seinen geburtstagen wurde sogar geflaggt - es war führer's geburtstag! -, worüber klein adolf sich arg freute: an seinem geburtstag, da "hänget die fahne zum fenschter naus", wer hatte das sonst!? der einzig andere, der das hatte, saß weit weg in berlin, und von dem wusste er noch nichts. eine ähnlichkeit vielleicht, die den kleinen mit dem großen adolf verband, mochte sein, daß er vor jähzorn stundenlang schrie, bis er blau anlief und alles nach seiner pfeife tanzte (aus dem kleinen sollte ein begnadeter schauspieler und regisseur werden...). als er älter wurde, war es in der frommen familie klar: adolf sollte priester werden. und er wollte es auch, von ganzem herzen. schließlich war es das höchste, was der gläubige kleine bursche aus dem gut katholischen elternhause - der vater war im krieg geblieben - sich vorstellen konnte, einmal zu werden. ein steiniger weg allerdings. der schlimmste stein des anstoßes und der qual für's adölfle auf dem priesterseminar im hohenzollernschen rottweil, acht jahre sein konvict, war ein gewisser geistlicher studienrat, der scham hieß. seinem namen machte dieser fürchterliche mann wenig ehre, indem er sich vor strenge und seelischer grausamkeit so verhielt, daß ihm selbst eigentlich die schamesröte hätte ins gesicht steigen müssen
- tat sie aber nicht. der mann war ein schreckgespenst für die zöglinge. dem glaubens- und hoffnungsfrohen kleinen adolf muß der böse mann nachts wie ein alb auf der brust gesessen haben, daß ihn der schlaf floh. der seele des dreizehnjährigen entrang sich, als es mit dem priester immer schlimmer wurde, ein gebet: "lieber gott, mach, daß der scham bald stirbt!", und auch sein geliebtes muttscherle bestürmte er: "bet', daß der scham bald stirbt!"


: 2003.03.17
konrad halvers
peter folken story II. teil

„von der kanzel zu den brettern, die die welt bedeuten“


so ist über den umschwung im werdegang peter folkens bei uns im kontext in rüdiger krohn’s nachruf in den rheinlandpfalz nachrichten zu lesen. und diesen biografischen notizen wäre gar nicht so viel hinzuzufügen, wollte man keine biografie schreiben (mein dracula hörspiel notabene habe ich allerdings – 2 mal - selbst inszeniert, aber das sei nur der richtigkeit halber bemerkt; und was hat bei unseren koproduktionen und später auch solo peter nicht alles seinerseits großartig in szene gesetzt!).
– ja, vielleicht hatte jener fürchterliche geistliche studienrat namens scham im priesterseminar von rottweil es geschafft, diesem knaben adolf ziegelbauer das priestertum zu vermiesen (wer weiß, vielleicht wäre aus ihm ein bischof, kardinal oder gar der zweite deutsche papst geworden!). vielleicht waren es außer dieser negativen schlüsselfigur (und bis heute gab es für ihn, ganz im gegensatz, sogar eine vielzahl von positiven gestalten in der katholischen kirche!) noch ganz andere einflüsse, die ihn eine kehrtwende und den abbruch der priesterausbildung vollziehen ließen und uns allen den peter folken schenkten, als der er in unsere geschichte eingegangen ist. in mannheim nahm er schauspielunterricht bei den namhaften schauspielern axel gröndal und karl heinz martell, die am dortigen nationaltheater spielten und ihm zu seinem dortigen erstengagement verhalfen. schöne erste rollen gabs da, z.b. die rolle des stummen in piscators inszenierung von „die chinesische mauer“ von max frisch. aber größere rollen sollten kommen, und die gabs in der provinz. dabei war das stadttheater trier beileibe nicht tiefste provinz. es wurde eine wunderbare zeit, künstlerisch und von den menschlichen beziehungen her (die freundschaft zur familie des schauspielers meyer ottens und zu hannes kolberg). obendrein ein kleiner flirt mit dem klerus (und bis zum ende, auch in karlsruhe, hat er’s nicht lassen können:) am priesterseminar brachte er den jungen theologen sprechen und rhetorik bei!

– ich lernte ihn auf meinem weg kennen, als er, von seinem großen heidelberger mentor gillis van rappard zum zweiten mal um eine enorme berufliche chance gebracht (weil der sein bestes „pferd“ im zimmertheater nicht ziehen lassen mochte), vom legendären hamburger theatermacher peter ahrweiler „blind“ auf eine super faz kritik hin als spielleiter an seine „kleine komödie“ engagiert („sie haben den blonden alptraum am theater zum erfolg gebracht (peters umjubelte uraufführung eines stückes von peter bürki mit ufa altstar lilian harvey im theater „die insel“, karlsruhe). bringen sie ihn nach hamburg. die bretter, die das geld bedeuten, schreien nach ihr!“), als regisseur von „olivia“ (boulevardklassiker von terence rattigan) nun in der hansestadt einen „michael“ suchte, die rolle, die er in rappards heidelberger inszenierung als lilian harveys halbwüchsiger bühnensohn kurz zuvor selbst gerade überzeugend gegeben hatte, und mir jungem schauspieler, nach meinen ersten stuttgarter bühnenerfahrungen in meine heimatstadt zurückgekehrt, jetzt eine riesenchance bot, indem er mich für die rolle engagierte! es wurde für alle beteiligten ein spektakulärer erfolg und führte dazu, dass bühnenpartner herbert a.e. böhme (ebenfalls ein alter ufastar), der für die junge hörspielproduktion von miller international („europa, der pionier der preiswerten langspielplatte“) gerade den münchhausen gesprochen hatte, mich für jugendliche rollen zu einem gewissen dr. beurmann und seiner freundin sieglinde dziallas empfahl, die ohne falsche scham das medium hörspiel kommerziell aufmischten. undzwar mit solcher fortune, dass es die dinger (die „märchenplatten“, die als „elektronische großmutter“ die märchenerzählende oma nahezu abgelöst hatte: kein kinderzimmer in deutschland ohne den kleinen zweitplattenspieler und die scheiben dazu!) an jeder straßenecke zu kaufen gab – ein neues medium war geboren. und ich sollte hier meine große chance bekommen! die weichenstellung hierzu hatte peter folken geschaffen, indem er mich an „sein“ theater engagiert hatte. und das wurde – in der tat – der beginn einer wunderbaren freundschaft!

Siehe auch:

: 2002.05.18,
DIE WELT - OBITUARIEN (Marc Hairapetian),
Schauspieler, Regisseur und Hörspielmacher Peter Folken ist tot


: 2002.05.10,
Rheinlandpfalz Nachrichten (Rüdiger Krohn),
Zum Tode von Peter Folken



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