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: 2001.08,
Karl May & Co., Nr.85,

Karl-May-Fans unter sich...

Vom 6. bis 8. Juli war wieder das Karl-May-Fest angesagt, wie schon 1999 zuletzt ebenfalls in Bad Segeberg. Was lag auch näher angesichts des 50-jährigen Jubiläums der Karl-May-Spiele? Unglücklich war sicher der Termin - eine Woche nach der Premiere - gewählt, so kam nur etwa die Hälfte der Besucher, die sonst dieses Fest besuchen, aber binnen zweier Wochenenden zweimal die weite Reise in den hohen Norden anzutreten, das war wohl einigen zu viel.

Nach der üblichen Begrüßung im Rathaus und der Auktion für die Fans mit dem dicken (zu dicken) Geldbeutel gab es wie immer am Freitagabend die Movie-Night. Diesmal nicht unter dem Titel "Ekki, Licht aus", denn dieser erschien erst am Samstagnachmittag. Leider gab es diesmal keine neuen Filmraritäten zu bewundern, wenn auch der Film von 1953 Eine Stadt spielt Karl May und der NDR-Filmbericht Der wilde, wilde Westen von 1995 trefflich zum diesjährigen Anlass passten. Die Sammlerbörse am Samstagmorgen war für die Filmfans wie immer ein Schlaraffenland, aber die Vielfalt der letzten Jahre fehlte, denn Stände mit Indianistik-Literatur und -Artikeln und auch gebrauchte Karl-May-Bücher zu erschwinglichen Preisen waren Mangelware. Dennoch gab es auch einiges Neues zu bewundern, wie die Bücher Die Darsteller der Karl-May-Filme 1962 - 1968 von Christian Hees (im Eigenverlag herausgebracht), oder Artur Brauners Old Shatterhand - eine Monografie von Reinhard Weber, herausgegeben im Fachverlag für Filmliteratur. Auf dem Tisch von Michael Petzel gab es sensationellerweise für 240,00 DM die erste 13-teilige Staffel der Serie Kara Ben Nemsi Effendi, die seit vielen Jahren als verschollen galt, als dreiteilige Videoedition, die rasch ihren Käufer gefunden hatte. Leider stimmten die Zusagen des umgebauten Vitalia Kurhotels, was die Klimaanlage betraf, nicht, so dass schon zu frühester Morgenstunde bei der Sammlerbörse extrem hohe Temperaturen herrschten, sehr zur Freude der Kellner, denn das Selterwasser floss in Strömen.
Gegen Mittag gab es die übliche Begrüßung der Besucher und der Spiele. Leider erschien vom Ensemble nur Jochen Baumert, dessen Befragung einem Geistesblitz folgend Michael Petzel durch Christine Hünseler durchführen ließ. Als Bernhard Schmid die zwei neuesten Produkte des Karl-May-Verlags präsentierte, das aus dem Nachlass Klaus Dills gesponserte Buch Tomahawk und Friedenspfeife und die Broschüre Karl May am Kalkberg - Neue Geschichten der Spiele in Bad Segeberg von 1999 - 2001, warf der beliebte Schauspieler ein: "Endlich bin ich auch einmal auf einem Titelbild! Auf den Plakaten vergessen sie mich ja immer!". Um 14 Uhr führte Heinz Ingo Hilgers, der Winnetou von 1961 bis 1970 in Bad Segeberg, Dias aus seinen Spielzeiten im Kalkbergrund vor. Launig erzählte er dazu, wobei sich wieder einmal Ekkehard Bartsch als der Kenner schlechthin erwies, der den einen oder anderen Erinnerungsfehler sofort fachkundig ausmerzte. Danach zeigte Ekkehard Sieker zunächst seinen Film von der DVD über die Restaurierung der Winnetou-Trilogie und des Silbersees, ehe er danach noch weitere interessante Arbeitsgänge via einer mitgebrachten Videokassette präsentierte. Im nächsten Jahr sollen übrigens die drei Filme mit Stewart Granger und Apanatschi in der "braunen Edition" folgen.
Am Abend gab es wieder die Gala. Erik Schumann musste leider im letzen Augenblick absagen, da seine Frau erkrankt war, aber Heinz Ingo Hilgers, bei dessen Vorstellung wieder einige der Dias gezeigt wurden, Konrad Halver, der "Hörspiel-Winnetou", der immer noch eine kernige Stimme hat und sich über die Tonhöhe der Einblendung einer seiner Platten beschwerte, und vor allem Karl-Michael Vogler, der souverän und launig mit Herrn Petzel plauderte, machten den Abend zum Genuss. Zur Einstimmung auf den Stargast gab es einen langen Ausschnitt aus Kara Ben Nemsi Effendi aus der allerersten Folge, in der Halef seinen Sihdi zum wahren Glauben bekehren will. Köstlich! Vogler hatte reichlich Gastgeschenke mitgebracht. Er betonte, dass dies bei den Beduinen so üblich sei. So wurden diverse Kassetten und CDs unter den Gästen des Festes mittels einiger schwieriger Fachfragen zu Karl May verlost. Tapfer schrieb der Gaststar danach bis 22.30 Uhr Autogramme, so dass er als Letzter zum Buffet kam. Weitere Ehrengäste des Abends waren die Geschäftsführerin der Karl-May-Spiele, Ute Thienel, und der Bürgermeister der Stadt Bad Segeberg, Udo Fröhlich. "Hausmeister Rudi" vom Hamburg 1 Fernsehen beehrte das Fest auch später noch mit seiner Anwesenheit. Es ist schon auffällig, er wurde nicht das erste Mal dort gesehen. Ist er etwa auch Karl-May-Fan?
Die Auflösung des Preisrätsels, das den ganzen Tag bei der Sammlerbörse an einer Wand zu erspähen war, geriet diesmal zur Sensation, denn es hatte tatsächlich kein einziger alle drei Bilder den richtigen Filmen zuordnen können, nicht einmal Erich Hammerler, und das will was heißen, oder? Nach der Vorstellung im Kalkberg gesellten sich von der diesjährigen Inszenierung noch die Herren Brauss, Janson, Mitic, Peters und die beiden Wieczoreks unter die Gäste. Unter den Fans wurden auch viele österreichische und einige Schweizer Karl-May-Freunde gesichtet. Am Sonntag gab es im umgebauten Segeberger Kino den Film Winnetou und das Halbblut Apanatschi, wenn auch in einer stark zerkratzen Version. Ausklang war abends in einem Lokal bei einem geselligen Treffen. Der Veranstalter Thomas Winkler ließ noch offen, ob es auch in Zukunft wieder ein Karl-May-Fest geben wird.

Reinhard Marheinecke


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