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: 2001.06.02,
Literarische WELT, S.8,

HÖRBUCH II (Zeit der Unübertrefflichkeit)
L E T Z T E R   H O R R O R

Mit seinem sanften, aber bestimmten Timbre avancierte er in den 60er und 70er Jahren zum berühmtesten "Winnetou" des Hörspiels. Auf Millionen Schallplatten und Musicassetten des legendären "Europa"-Labels. Nach diversen Weltliteraturadaptionen hat sich Hörspielmacher Konrad Halver nun mit dem KZ-Thriller "Zeit der Unübertrefflichkeit" (Graceland. 2 CD, ca. 49.80 Mark; Uraufführung am 24. Juni im Hamburger Abaton-Kino) eines Stoffes aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte angenommen. In der fiktiven Erzählung des bayerischen Dichters Wolfsmehl geht es um die Schreckenserlebnisse des jungen Lagerinsassen Schadrach. An ihm und anderen Opfern vollzieht der berüchtigte Dr. Skindal hinter der Maske eines kultivierten Bildungsbürgers unvorstellbar grausame Praktiken.
Nicht ohne Ironie wird vorgeführt, wie der Arzt sein perfides Tötungsritual zur absoluten Kunstform stilisiert. Das makabre Kammerspiel über die deutsche Gründlichkeit lebt vom Duell zweier hochkarätiger Sprecher: Matthias Fuchs verleiht dem Medizinermonster beklemmend sympathische Züge, während Regisseur Halver den Todeskandidaten Schadrach mit kinskihafter Nervosität erfüllt. Der sparsame Einsatz von Musik- und Toncollagen erinnert in seiner bedrohlich-tristen Eindringlichkeit an Halvers Horror-Klassiker "Der Untergang des Hauses Usher".

Marc Hairapetian


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