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: 2001.04.30,
Sven Merzbach (www.hoertheater.de),

Zeit der Unübertrefflichkeit

Das neue Hörspiel von Konrad Halver nach der Erzählung von Wolfsmehl geht echt unter die Haut. Man kann darüber streiten, ob es "schön" ist, über eine solche Thematik ein unterhaltsames Hörspiel zu machen, ich aber war alle 82 Minuten gefesselt von der Geschichte, die mir hier dargeboten wurde. Der ironische Erzählstil läßt hin und wieder vergessen, um welche unvorstellbar grauenvollen Begebenheit es sich hierbei handelt. Ich bin überzeugt, daß diese und ähnliche Ereignisse überhaupt erst durch die geradezu ... lächerlichen Begleiterscheinungen ein wenig faßbarer werden; denn sie sind die einzigen menschlichen Züge an diesen Ereignissen. Wie sollte auch sonst dieser WAHNWITZ aufgenommen werden, wie als einen einzigen perfiden SCHERZ! Hier erscheint mir das politische Unwort "Faszinosum" die treffendste Beschreibung zu liefern ...
Bemerkenswert ist auch der Einsatz der Musik: klassische Melodien vom Feinsten, welche in diesem Zusammenhang die Frage aufwerfen, ob eine Kultur allein durch ihr kulturelles Erbe charakterisiert werden kann (wie das in Deutschland anscheinend immer wieder geglaubt wird).
Die durchweg spannende Darstellung wird nicht zuletzt durch ihre Sprecher vorangetrieben. Konrad Halver vermittelt eine düstere Ahnung von der zwiespältigen Angst und ... Verwirrung, die den Lagerinsassen Schadrach unentwegt befällt - bis zu dessen ambivalenten Halluzinationen, die das Opfer fast in dieselbe Welt versetzen wie seinen Täter. Matthias Fuchs ist geradezu großartig in der Rolle des perversen Schlächters, der sich voller Stolz, Genugtuung und sadistischem Eifer seiner "Kunst" befleißigt, indem er ihr jedes Ideal einer menschlichen Zivilisation opfert.
Wahrlich: eine kaum zu überbietende, unübertreffliche Zeit!

Sven Merzbach
intendant@hoertheater.de
http://www.hoertheater.de


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